Gotthard Schatz, geboren 1967, lebt und arbeitet in Wolfsberg/Kärnten/Österreich.

Seine experimentelle Beschäftigung mit dem menschlichen Körper, seine ausführlichen figuralen Studien haben sich im Laufe der Jahre in einem kompromisslosen künstlerischen Selbstverständnis verdichtet. Eine Vielzahl an Reisen, von Afrika bis Neuguinea - bei Gotthard Schatz stets im Sinne eines assoziativ, möglichst vorbehaltlosen Einfindens in die jeweiligen Kulturen und gesellschaftlichen Verhältnisse - schafft eine kosmopolitische Dimension und entspricht jenem maurischen Sprichwort, das dem Erkennen des menschlichen Wertes vor allem die Bereitschaft zum Reisen zuordnet.

Sein respektvoll, analytischer Umgang mit den Materialien Stein und Holz gründet in einer künstlerischen Energie, die in der Suche nach den Phänomenen menschlicher Existenz eine ausgeprägt kontemplative Grundhaltung offenbart. Ein durchaus gespanntes Verhältnis zum Künstlerischen schafft wohltuend gelebtes Understatement abseits klischeehafter Optionen, die eine künstlerische Existenz in sich zu tragen vermag.

Die eigentliche künstlerische Eigenständigkeit von Gotthard Schatz vermag verschiedene Ebenen des Verständnisses anzurühren und findet in einer Aussage des englischen Bildhauers Anthony Cragg eine Entsprechung und Bestätigung: „Wir Künstler sind Entdecker, indem wir uns in das Material verlängern.“

Gotthard Schatz ist überzeugt, dass Leben und Kunst idente Prozesse darstellen und somit beide, die Lebens- und Kunstentwürfe, den Prozess des Loslassens, vor allem das Loslassenkönnen, enthalten viagra cheap uk.  In beiden Fällen, den Lebens- und Kunstentwürfen, sind Ängste vor möglicher Leerheit evident und verleiten zu einem Festklammern an Hilfskonstruktionen. Dem Bestreben, in gewisser Weise „Haltegriffe“ zu produzieren, die sich häufig nur als oberflächliche Konstrukte offenbaren und eine nicht vorhandene Tiefe versprechen.

All dem setzt Gotthard Schatz die Eindrücklichkeit seiner Stein- und Holzobjekte sowie deren klar erkennbare Ordnungsstrukturen und Beziehungsgeflechte entgegen: Sein Losgehen auf die Materie, bis an die Grenzen der Belastbarkeit des Materials, etwa bei den Bohrungen, erklärt sich im Bestreben, den statisch festen Körper in hohem Grade zu reduzieren, abzubauen, seiner Volumina zu berauben und jene Form zu finden - die für Gotthard Schatz die ideale ist.

Seine „Bohrkörper“ ermöglichen den Betrachtern, im Spannungsverhältnis von Verlust und Gewinn, im Prozess von Anschauung und Wahrnehmung, insbesondere durch den Wechsel der Perspektiven das Auflösen räumlicher Dimensionen; diese hohe Ambivalenz ist typisch für viele seiner Werke und erlaubt das Changieren zwischen den verschiedenen Wirkungen der Objekte.

Dieses beharrliche Vordringen zu einem Kern entspricht der inhaltlichen Grundbestimmung seiner künstlerischen Suche und vor allem seiner stets angemessenen Art und Weise der Materialbearbeitung. Im Einklang mit der spirituellen Dimension seiner Arbeit und dem auch selbst ersehnten Berühren der Seele zielt Gotthard Schatz auf eine möglichst unverfälschte Wahrnehmungsmöglichkeit der komplexen Gesamtheit der Objekte, wie es sich in einem Diktum von Paul Klee formuliert findet: „Bei der Kunst ist das Sehen nicht so wichtig wie das Sichtbarmachen“.


Text: Igor Pucker